DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
RELIGION IN FUNAN

 

 

 

 

In der Zeit zwischen 100 v. Chr. und 500 n. Chr. baute das Königreich Funan einen florierenden Seehandel mit China, Indonesien und Indien auf. Obwohl China räumlich viel näher lag, wurde ein Großteil der Kultur Funans aus Indien übernommen. Händler und Wanderpriester aus Indien brachten Sanskrit, die Sprache ihres Landes, mit. Die meisten von ihnen waren Anhänger des Brahmanismus, einer Frühform des Hinduismus, der sich mit den animistischen Glaubensformen, die wir aus Oc Eo kennen, vermischte. Hindugötter und einheimische Gottheiten existierten nebeneinander: eine neue Form der Religion. Die Könige von Funan förderten die Verehrung von Vishnu und Shiva. Die Bedeutung von Brahma, des dritten Gottes der Hindu-Trinität ist weitgehend unbekannt. Unter dem König Kaundinya (400 - 434 n. Chr.) wurde der Shivaismus zu Beginn des 5. Jahrhunderts Staatsreligion. Auch unter den späteren Herrscher Kaundinya Jayarvarman (478 – 514 n. Chr.) und  Rudravarman (514 – 545 n. Chr.) war der Shivaismus Staatsreligion,  obwohl sie selbst sich zum Mahayana-Buddhismus bekannten. Die Bedeutung von Brahma, des dritten Gottes der Hindu-Trinität ist weitgehend unbekannt. Der Buddhismus war gleichfalls bereits als nebengeordnete Religion in diesen frühesten Zeiten vorhanden wie eine Sanskrit-Inschrift aus dem Jahr 375 n. Chr. nachweist. Er begann sich um 450 n. Chr. vermehrt in Funan auszubreiten. Nach Ma Touan-Lin, einem chinesischen Chronisten des 13. Jh., gab es schon im 4. und 5. Jh. zehn Klöster, in denen Mönche und Nonnen die heiligen buddhistischen Texte studierten.

Im Jahr 229 n. Chr. berichten zwei Gesandte des chinesischen Kaisers, Kang Tai und Zhu Ying: „Sie verehren den Himmelsgott in einem Abbild mit zwei Gesichtern und vier Armen, oder mit vier Gesichtern und acht Armen. Jede Hand hält dabei irgendetwas – ein Kind, oder einen Vogel oder ein wildes Tier, oder Sonne und Mond.“ Wahrscheinlich ist hier Harihara, die Verbindung von Shiva und Vishnu in einer frühen Form gemeint. Eine andere Sanskrit-Inschrift aus dem Jahr 575 n. Chr. dokumentiert die Anwesenheit des Buddhismus in Funan: “König Kuandinya Jayavarman (478-514 n. Chr.) baute den Buddhismus aus und sandte eine buddhistische Delegation zusammen mit buddhistischen Statuen aus Funan, die aus Korallen gefertigt waren, an dem Kaiser von China.“

 

Vishnu und Lakhsmi (aus Sammlung Wintermeier)

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