DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
ALLTAGSLEBEN IN FUNAN

 

 

 

 

 

 

 

Wir wissen nicht allzuviel über das Alltagsleben in Funan. Chinesische Quellen beschrieben die Bewohner als „dunkel und häßlich, mit krausen Haaren, ohne Kleidung und Schuhwerk, aber tätowiert“. Andere schrieben: “Sie haben einen ordinären Charakter und sind keine Diebe. Sie sind großzügig.“ Oder: „Die Leute sind habgierig, ohne Regeln und Kultiviertheit.“ Die Quellen sagen, dass die Chinesen ihnen beibrachten Sarongs zu tragen, weil sie keine Kleidung kannten. Alle Statuen der Zeit, die wir kennen, zeigen die Götter in diese Sarongs gekleidet. Es gab kürzere und längere Formen. Die Frauen bedeckten ihre Brüste nicht. Die Männer rasierten ihre Schnurrbärte, ihre Bärte und ihr Haar jeden Morgen. Ihre Kleidung war aus Baumwolle und wir wissen, dass es dort thailändische Schneider gab, die die einzigen waren, die die Kunst des Nähens beherrschten.

Das Delta liegt weniger als 10 m über dem Meeresspiegel mit einer einer außerordentlich flachen Struktur und wird während des Monsums oft überflutet. Deshalb bauten die Bewohner ihre Häuser über dem Boden und benutzten Leitern, um sie zu betreten. Man findet diesen Haustyp bis heute noch überall in Südost-Asien. Die einfachen Konstruktionen hatten einen Raum, der hauptsächlich zum Schlafen und Kochen genutzt wurde. Eine überdachte Terrasse diente als Aufenthalt während des Tages. Es wurde gefischt. Schweine und Wasserbüffel wurden schon sehr früh gezüchtet. In der "Geschichte des südlichen Qi" wird berichtet, daß sich die Einwohner die Zeit gerne mit Hahn- und Schweinekämpfen vertrieben. Der Boden in der unteren Mekong Region ist sehr fruchtbar, so dass auch Ackerbau betrieben wurde. Die Funanesen gingen auch mit Pfeil und Bogen zur Jagd. Man baute verschiedene Reissorten und Wurzeln an, und natürlich benutzte man Tonwaren zur Aufbewahrung und zum Kochen.

Ausgrabungen zeigen befestigte Dörfer in Funan, wie sie auch aus Burma, Laos und Kambodscha bekannt sind. Kang Tai berichtet, daß sie Sklaverei praktizierten. Die chinesischen Quellen sprechen von Städten mit Wällen, Wohnhäusern und Palästen. Lehmziegelbau war bekannt. Bis heute wurde die Hauptstadt Vyadharapura (Stadt der Jäger) nicht gefunden. Mehr oder weniger ist es eine ideologisch geprägte Diskussion in der Literatur, ob man die Hauptstadt nach Angkor Borei legt (was bedeuten würde, dass Funan seinen Ursprung bei den Khmer hatte), oder ob man sie in der unteren Mekong Region vermutet (was hieße, die Khmer hätten ihren Ursprung in Viet Nam). Natürlich kannten die Funanesen Geld zu Handelszwecken. Bisher wurden nur wenige Münzen gefunden.

Sogar die anspruchvollen Chinesen waren über die kulturellen Leistungen der Funanesen erstaunt. Es gab Büchereien und Archive. Ein indischer Brahmane namens Preah Thaong brachte die indische Gesetzgebung und Sanskrit in das Land. Zur Überraschung der chinesischen Besucher hatten sie eine sehr hochentwickelte Form der Musik. 263 n. Chr. besuchte eine Gruppe funanesischer Musikanten den chinesischen Kaiser. Dieser war so beeindruckt, daß er in Nanking ein Institut für die Musik Funans gründen ließ.
Lehmziegelkonstruktion Angkor Borei
aus: Art and Archeology of Fu Nan, ed. by J. Khoo, Bangkok 2004
Tonwaran aus Funan
aus: Art and Archeology of Fu Nan, ed. by J. Khoo, Bangkok 2004
Traditionelle Hauskonstruktion
 

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