DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
KUNST VON FUNAN

 

 

     
 

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Vishnu - Narayana

Phnom Da - Funan (6. - 7. Jh.)

 

 

Herkunft: Provinz Dong Thap, Viet Nam
Höhe: 59 cm
Provenienz: Privatsammlung Neuchâtel, Schweiz
Kat.-Nr.: khmer063

 

 

Vishnu
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Allgemein wird der Stil der frühesten religiösen Skulpturen Kambodschas “Prä-Angkor” genannt. Dieser figurative Stil ist relativ naturalistisch mit natürlichen Formen und sorgfältig bedachten, harmonisch fließenden Formen. Die Form der Mitra (kiritamukata), die ausgeprägten Ohrläppchen, das runde Gesicht und die skizzierten Augen, sind eindeutige stilistische Kennzeichen. Der sensible Mund mit den vollen Lippen weist auf den Einfluß der indischen Gupta-Periode hin. Auf diese Physiognomie treffen wir auch bei einer Reihe von Figuren, die aus der Phnom Da Zeit bekannt sind. Wir zeigen hier zwei Skulpturen (vgl.: Durga), die stilistisch identisch und von gleicher Größe sind. Der Aspekt, unter dem Vishnu in der freistehenden Plastik meist dargestellt wird, ist der des cakravartin (Weltenherrscher), der Hauptgottheit des hinduistischen Pantheons. In den Upanischaden wird beschrieben, dass die vier Arme (caturbhuja) die charakteristische Manifestation des atman (Weltseele) sind. Seit vedischer Zeit gibt es eine enge Verbindung zwischen Vishnu und der Sonne. Deshalb wird er immer mit dem Diskus (chakra) dargestellt, der die Sonne symbolisiert. Die Muschel ist das Zeichen seiner Verbindung zum Milchozean (ksirabdhi), und in seiner Form als Narayana herrscht er ewig über das Wasser. Die untere rechte Hand hält den Erdball (mahi), die untere linke Hand hält die Keule (gada), um seine Rolle als Beschützer der Welt zu zeigen. Vishnu trägt eine hohe Mitra (kiritamukata), die seine königliche Rolle unterstreicht. Seine Haltung ist frontal und herrschend. Er trägt das katisutra, den Hüftgürtel, und einen langen sampot, dessen oberer Saum zu einem Knoten gedreht ist und in einer Mittelfalte vorne herabfällt. Vergleichbare Statuen aus dem siebten Jahrhundert waren bemalt und mit echten Juwelen geschmückt. Die zurückhaltende Behandlung des schlanken Körpers und die subtile Ausführung des sampot zeigen dieselbe Komposition aller Statuen, die aus dieser frühen Epoche erhalten sind. Die rechteckige Bodenplatte, auf der Vishnu steht, ist das Symbol für die Welt, die er erschuf und regiert.

Die Statue wurde aus feinkönigem Muschelkalk geschaffen und ist nahezu fehlerlos erhalten. Die unterschiedliche Färbung des Materials von einem Mittelbraun bis Dunkelbraun resultiert aus Sediment-Schichtungen. Einige ähnliche Statuen wurden im kambodschanischen Teil der Mekong-Region gefunden. Bis heute sind sie in den Magazinen des Museums von Phom Penh untergebracht und wurden 1955 von Boisellier als „unklassifiziert“ aufgenommen. Khoo (Art and Archeology of Fu Nan, 2004, S. 137) publizierte zwei weitere dieser Statuen. Weitere vergleichbare Statuen aus dieser Zeit, außer den zwei Stücken, die Dalsheimer (2001) aus dem Museum Phom Penh veröffentlicht hat, sind uns bislang nicht bekannt

vgl.:
Art and Archeology of Fu Nan, ed. by J. Khoo, Bangkok 2004, Abb. S.139, S.140
Dupont, P., La statuaire préangkorienne, Ascona 1955, pl. XVIII
Boisselier, J., La statuaire khmère et son évoltion, Paris et Saigon 1955
Das Heilige Bildnis. Museum f. Ostasiatische Kunst, Köln 1979, Abb. S. 14, 85
Dalsheimer, N., Les collections du Musée national de Phom Penh, Paris 2001, Abb. S.50, Abb. S.55

     
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