DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
KUNST VON FUNAN

 

 

     
 

 

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Durga
Bhahagavati Mahishasura-Mardani

Phnom Da - Funan (6. - 7. Jh.)

 

Herkunft: Provinz Dong Thap, Viet Nam
Höhe: 46 cm
Provenienz: Privatsammlung Neuchâtel, Schweiz
Kat.-Nr.: khmer062

 

 

Durga
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In der Mythologie der Khmer ist Durga die Schwester Vishnus, der allein es gelang Mahisha, den Büffeldämon, zu besiegen. Wir fanden in der Literatur keine Statue der Durga aus dieser Zeit in einem vergleichbaren Erhaltungszustand. Alle Statuen, die wir kennen, haben ihre Arme verloren wie die Durga und der Vishnu, die wir hier gleichfalls zeigen. Nach unserer Kenntnis ist dies die einzige vierarmige (caturbhuja) Durga-Skulptur ohne Hilfsstützen, die derart vollständig erhalten ist. Direkt vergleichbar ist erst die kleinere Statue aus dem Nationalmuseum Phom Penh aus dem 8. Jh.(Bunker, S. 70 f.). Normalerweise diente ein Bogen als Stütze, um die zerbrechlichen Arme gegen Abbrechen zu sichern. Für die oberen Arme hatte er meist die Form eines Hufeisens. Für die unteren Arme diente die Darstellung eines gada (Keule) als vertikaler Stützbalken. Das gada symbolisiert die Macht des Wissens. Der Verzicht des Künstlers auf Stützstrukturen führte zu der Lösung auch die unteren Hände der Durga ohne die üblichen Attribute zu zeigen. Leider ist die Hand des rechten oberen Armes abgebrochen, die ursprünglich sankha (Muschelhorn) hielt, welches den Ursprung der Schöpfung symbolisiert. Nur der Diskus (chakra), das Symbol der Macht, ist erhalten. Häufig haben die Gläubigen die Statuen der Götter mit Juwelen geschmückt. Statuen wurden gefunden, bei denen die Ohren der Köpfe durchbohrt waren, um dort Ohrschmuck anzubringen.

Die Göttin (Bhagavati) ist in hieratischer Frontalität ohne jeden Schmuck ausgeführt. Diese Haltung wurde gewählt, um die Unnahbarkeit der Göttin zu unterstreichen. Einzig die hohe Mitra (kiritamukata), die tief in den Nacken heruntergezogene Krone, unterstreicht die Autorität der Göttin. Ein leichter Hüftschwung (abanga) kompensiert jedoch die Starrheit der Konzeption. Nahezu alle Khmer-Skulpturen zeigen den Oberkörper der Frauen unbedeckt mit runden Brüsten, die den indischen Idealvorstellungen nahekommen. Das lange Gewand (sampot) wird von einer Schlaufe gehalten, deren Form ein typisches Kennzeichen der frühen Funan-Kunst ist. Der quadratische Plinthensockel ist mit dem Relief eines Büffels geschmückt. Durga steht auf dem Büffel Mahisha, dem gigantischen Dämon (asura) der Mythologie. Sie allein hat die Macht, diese Kreatur zu töten.

Bedauerlicherweise wurde die Oberfläche der Statue gereinigt und verlor dadurch einen großen Teil der ursprünglichen Patina. Der bläuliche Muschelkalk ist ein feinkörniges Material, das wie geschaffen dafür ist, eine so zerbrechliche Skulptur zu gestalten.

vgl.:
Angkor. Göttliches Erbe Kambodschas, Kunsthalle der BRD, Bonn 2007, S.61
Art and Archeology of Fu Nan, ed. by J. Khoo, Bangkok 2004, S.124
Dupont, P., La statuaire préangkorienne, Ascona 1955, pl. XXXVIII, XLIII
Entdeckungen. Skulpturen der Khmer und Thai, Stuttgart 1989, S. 50-53
Boisselier, J., La statuaire khmère et son évoltion, Paris et Saigon 1955, Abb.. 23, 24
Bunker, E., Adoration and Glory: The Golden Age of Khmer, Chicago 2004, S. 70 f.

     
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