DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
KUNST VON FUNAN

 

 

     
 

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Vishnu

Phnom Da - Funan (6. - 7. Jh.)

 

 

Herkunft: Provinz Dong Thap, Viet Nam
Höhe: 46 cm
Provenienz: Privatsammlung Neuchâtel, Schweiz
Kat.-Nr.: khmer056

 

 

Vishnu
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Vishnu (der Durchdringer des Alls) wird im Vishnuismus als die Manifestation des Höchsten Seins verehrt. Als Teil der trimurti (drei Gestalten) ist er derjenige, der dharma (Sitte, Gesetz, Ethos) innerhalb einer gerechten kosmischen Ordnung aufrecht erhält. Shiva gilt als Zerstörer, während die Schöpfung von Brahma regiert wird. Die meiste Zeit war Shivaismus in Kambodscha Staatsreligion, aber auch Vishnuismus ist seit dem 6. Jahrhundert stark vertreten. In der Skulptur der Khmer wird der Gott meist im Aspekt des cakravartin (Herrscher des Universums) dargestellt.

Diese freistehende Statue in samabhanga-Haltung (gleiche Ausrichtung der Gliedmaßen in einer zentralen Linie), die zusammen mit einer Reihe weiter Statuen gefunden wurde, zeigt noch viele der indischen Gupta-Stilelemente (Mamallapuram, Sarnath, Mathura), die für die Phnom Da-Kunst typisch sind. Wie noch heute an dem verbliebenen Teil des rechten Oberarmes erkennbar ist, hatte dieser Vishnu ursprünglich vier Arme (caturbhuja), die seine Attribute hielten: gada (Keule), die für die Macht des Wissens steht, chakra (Diskus) als Symbol der Kraft. sankha (Muschelhorn) bezeichnet den Ursprung der Existenz und mathi (Ball) ist das Symbol für die Erde.

Diese außergewöhnlich seltene Statue trägt die hohe charakteristische kiritamukata (Mitra), und der lange, nur angedeutete sampot ist faltenlos. In ihrer ursprünglichen Form wurde diese hohe Mitra bereits in Mamallapuram (Indien) gefunden  und auch die  Behandlung der Kleidung mit nur schwach eingeritzten oder flach gehaltenen Drapierungen ist in der Kunst von Deogarh (Uttar Pradesh) gängig. Wie bei nahezu allen Statuen der Epoche wird völlig auf Schmuck verzichtet, um die Strenge und Erhabenheit der Gottheit zu betonen. Alle Statuen der Funan-Zeit zeichnen sich durch einen hohen anatomischen Realismus mit muskulösen Körpern aus, ein Kennzeichen, das in der klassischen Periode verloren ging.

Die Plastik ist ungesockelt und im originalen Ausgrabungszustand. Sie ist aus grauem Hartstein gearbeitet. Das Material ist mit einer schwärzlichen Stein-Oxydationsschicht überzogen. Heute wissen wir, daß derartige kleinere Statuen nicht nur in Tempeln standen oder als Grabbeigaben gefunden wurden. Sie wurden auch als Kultobjekte in Wohnhäusern aufgestellt.

Neueste Ausgrabungen in Viet Nam in der Nähe von Chau Doc deuten darauf hin, daß diese frühen Statuen aufgrund von C14-Radiocarbon-Analysen der Gräber wahrscheinlich in den Zeitraum von 450-500 zu datieren sind.

vgl.:
Dupont, P., La statuaire préangkorienne, 1955, planche XIX, B
Art and Archeology of Fu Nan, ed. by J. Khoo, Bangkok 2004, Abb. S.47, S.54
Harihara aus dem Asram Maha Rosei, Musée Guimet, Paris
Vishnu von Trung-dien, Musée Blanchard de la Brosse

     
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