DAS VIRTUELLE MUSEUM DER KHMER-KUNST
Geschichte Funans

 

 

 

Mitte des 3. Jh. n. Chr. besuchten zwei chinesische Händler, Kang Tai und Zhu Ying, Vyadharapura (Stadt der Jäger), die sagenumwobene Hauptstadt des Königreichs Funan. Ihr Bericht ist in die kaiserlichen chinesischen Chroniken aufgenommen worden und blieb erhalten:

 

Der Eintrag von Liang Shu in den kaiserlichen chinesischen Chroniken

   
  Anm.:Der chinesische Originaltext wurde bislang nicht übersetzt. Er wurde publiziert von Wheatley, P., The Golden Khersonese, University of Malaya Press, 1966. Wir danken Yun aus dem "China History Forum" für die exzellente englische und Wolfgang Wintermeier für die deutsche Übersetzung.
   
 
 

Das Königreich Funan liegt im Süden der Präfektur Rinan (im nördlichen Vietnam) in einer großen Bucht im Westen des Meeres. Es ist 7000 Li (1 Li= ca. 540 m) von Rinan entfernt und liegt mehr al 3000 Li südwestlich von Linyi (Champa). Die Hauptstadt ist 500 Li vom Meer entfernt. Es gibt einen großen, 10 Li breiten Fluß, der aus dem Nordwesten kommt und im Osten das Meer erreicht. Das Königreich hat einen Durchmesser von 3000 Li, und das flache Land liegt nur ein wenig über dem Meer. Klima und Sitten sind im Allgemeinen ähnlich denen in Linyi. Man findet dort Gold, Silber, Bronze, Zinn, Lorbeerholz, Elfenbein, Jade und fünffarbige Papageien.
(Die Beschreibung der Nachbarkönigreiche von Dunsun, Piqian und Zhubo ist hier ausgelassen)

 
  Die Einwohner des Königreiches Funan hatten ursprünglich die Angewohnheit unbekleidet herumzugehen. Sie tätowierten ihre Körper und trugen die Haare lang herunterhängend. Ihre Herrscherin war eine Frau namens Liuye (Weidenblatt, in einer Cham-Version Soma genannt). Sie war jung und muskulös wie ein Mann. Im Süden war das Königreich von Ji, wo es einen Geisterbeschwörer und einen Gott gab, den sie Huntian (Kaundinya) nannten. Dieser träumte, daß ein Gott ihm einen Bogen gab und daß er mit einem Handelschiff zur See fuhr. Er stand am Morgen auf, ging in den Tempel und fand dort unter einem geweihten Baum den Bogen. So folgte er seinem Traum, fuhr zur See und erreichte die äußeren Grenzen von Funan. Liuye und ihr Gefolge sahen das Schiff kommen und wollten es entern. Huntian spannte den Bogen und schoß auf Liuyes Schiff, durchlöcherte die Schiffswand und traf einen der Diener. Dies erschreckte Liuye so, daß sie sich mit ihrem gesamten Volk Huntian ergab. Huntian lehrte Liuye, wie man ein Loch in ein Stück Stoff macht und den Kopf durchsteckt, um es als Kleidung, die den Körper bedeckt, zu benutzen. Dann herrschte er über das Reich und nahm Liuyse zur Frau. Sie hatten sieben Kinder, die jeweils Herrscher einer Region des Reiches wurden. Mit Heimtücke schürte der spätere König Hun Panuang Zwietracht zwischen den Regionen, indem er sie dazu brachte, sich gegenseitig zu verdächtigen und zu behindern. Dann nutzte er seine Armee, sie anzugreifen und schließlich zu besiegen. Er schickte dann seine eigenen Kinder und Enkel, die die einzelnen Regionen beherrschten. Sie trugen den Titel Unterkönige.
 
  Pankuang starb mit über 90 Jahren und sein mittlerer Sohn Panpan wurde zum König gemacht. Staatsangelegenheiten wurden in die Hände des Generals Fan Man gelegt. Panpan starb drei Jahre später, und das Volk setzte dann Fan Man als König ein. Fan Man war ein tapferer Krieger und geschickter Stratege. Er benutzte seine militärische Stärke die Nachbarkönigreiche anzugreifen und unterwarf sie alle. Er gab sich selbst den Titel Großkönig von Funan. Er baute große Schiffe und schickte sie über das Meer, um mehr als zehn Königreiche anzugreifen, einschließlich Qudukun, Jiuzhi und Diansun. So erweiterte er sein Territorium von 5000 auf 6000 Li. Danach plante er, das Königreich Jinling anzugreifen, aber er wurde krank und sandte seinen Kronprinzen Jinsheng, den Angriff an seiner Stelle zu führen. Fan Mans Neffe Zhan war ein General, der 2000 Leute befehligte, und er riss Fan Mans Thron an sich. Er sandte Leute aus, Jinsheng hereinzulegen und zu töten. Als Fan Man starb, hatte er einen kleinen Sohn namens Chang, der mitten unter den Leuten lebte. Als Chang das Alter von 20 Jahren erreicht hatte, machte er sich tapfere Leute im Königreich zu Freunden, griff Zhan an und tötete ihn. Jedoch Zhans General Fan Xun tötete dann Chang und machte sich selbst zum König.
 
 

Fan Xun regierte das Königreich vortrefflich, und er baute zu seinem Vergnügen Aussichtspavillons, in denen er Tag und Nacht drei oder vier Gäste empfing. Man tauschte als Geschenke Zuckerrohr, Schildkröten und Vögel aus. Nach den Gesetzen des Königreiches gab es keine Gefängnisse. Wer eines Verbrechens angeklagt war, fastete drei Tage lang. Dann wurde eine Axt solange erhitzt, bis sie glühte und der Angeklagte musste sie tragen und sieben Schritte damit zurücklegen. Auch wurden goldene Ringe und Hühnereier in kochende Suppe geworfen und der Angeklagte musste sie herausfischen. Wenn er wegen seiner Unschuld gelogen hatte, wurde seine Hand verbrüht, und nur dann wenn er unschuldig war, nicht. Sie hielten auch Krokodile im Festungsgraben der Hauptstadt und ebenfalls eine Anzahl wilder Tiere außerhalb der Stadttore. Wer wegen Verbrechen angeklagt war wurde an die wildne Tiere oder an die Krokodile verfüttert. Wenn sie nicht innerhalb von drei Tagen aufgefressen waren, wurden sie als unschuldig angesehen und freigelassen. Die größeren Krokodile waren mehr als 3 Zhang lang und gleichen mit ihren vier Beinen und sechs bis sieben Chi langen Mäulern dem Yangze-Alligator. Auf jeder Seite sind Zähne scharf wie Schwerter. Normalerweise fressen sie Fische und Flußtiere, aber auch Menschen, wenn sie sie fangen können. Es gibt südlich der Cangwu-Präfektur und in den südlichen Ländern Krokodile.

 
 

In der Zeit der Wu-Dynastie (Zeit der drei Reiche) wurde der Oberkommandierende der Wachen, Kang Tai, und der leitende Offizier der Operationen im Bezirk Xuanhua, Zhu Ying, als Gesandte in das Königreich des Fan Xun geschickt. Die Leute dort waren immer noch nackt, nur trugen Frauen ein Tuch mit einem Loch für ihren Kopf. Kang Tai und Zhu Ying sagten: „Dies ist ein schönes Königreich, aber es für die Menschen nicht erstrebenswert, derartig entblößt zu sein.“ So wurde zum ersten Mal angeordnet, dass die Leute im Königreich Hengfu trugen. Ein Hengfu ist ein Kleidungsstück, das man heute Ganman (d.h. Sarong) nennt. Die Reichen machten ihre Hengfu aus Baumwolle, aber die Armen verwandten nur einfache Gewebe (aus Hanf).

 
 

Während der Tai Kang Herrschaft von Jin Wudi (280-289 n. Chr.) schickte Funan seine ersten Tribute. Im ersten Jahr Shengpings in der Herrschaft von Jin Mudi (357) schickte der König Zhuzhantan einen abgerichteten Elefanten als Tributzahlung. Der Kaiser Mudi erließ ein Edikt, in dem es hieß:“ Dieses Lebewesen ist schwierig zu transportieren. Du brauchst keine weiteren mehr zu schicken.“ Später war Qiaochenru König, der eigentlich ein Brahmane aus Indien war. Ihm sagte ein Gott: „Du wirst König von Funan sein“, und er war in seinem Herzen erfreut und reiste in das Königreich des Panpan. Die Menschen in Funan hörten davon und alle begrüßten ihn glücklich und machten ihn zum König. Er änderte die Organisation des Landes und führte indisches Recht ein.

 
  Nach dem Tod von Qiaochenru wurde Chilituobamo König. In der Regierungszeit von Song Wudi (420-422) sandte er seine Landeserzeugnisse als Tributzahlung. Während der Yongmin Regentschaft des Südlichen Qi (483-493) sandte König Sheyebamo (Jayavarman?) einen Gesandten mit Tributen.
 
  Im zweiten Jahr der Tianjian Regentschaft (von Liang Wudi, 503) schickte Sheyebamo wiederum Tribute in Form einer Buddha-Statue, die aus Koralle gemacht war, und zusätzlich einheimische Erzeugnisse. Der Kaiser gab ein Edikt heraus in dem es hieß: „Der König von Funan, Qiaochenru Sheyebamo, lebt am Ufer des Meeres und sein Königreich war seit Generationen unser südlicher Vasall. Seine Aufrichtigkeit ist weit über sein Land hianus bekannt und er lebt viel Wert darauf, die Sutras zu übersetzen und Kostbarkeiten als Tribut zu bieten. Es ist von Wert, ihn zu entlohnen und anzuerkennen und ihm den Anspruch auf Ansehen zuzugestehen. Er möge als der Höchste Friedensbringer des Südens und König von Funan geehrt sein.“
 
  Die Leute in diesem Königreich sind alle hässlich und dunkelhäutig mit gekrausten Haaren. Dort wo sie leben, machen sie keine Abfallgruben und einige zehn Haushalte teilen sich je einen Teich, um daraus Wasser zu schöpfen. Sie verehren den Himmelsgott in einem Abbild mit zwei Gesichtern und vier Armen, oder mit vier Gesichtern und acht Armen. Jede Hand hält dabei irgendetwas – ein Kind, oder einen Vogel oder ein wildes Tier, oder Sonne und Mond. Der König betritt oder verlässt seinen Palast auf einem Elefanten reitend und seine Konkubinen ebenfalls. Der König sitzt, indem er ein Knie aufrecht (das rechte) stellt und das linke zu Boden hängen lässt. Eine weiße Schale wird vor ihn hingestellt, auf der ein goldenes Becken mit brennendem Räuchermaterial steht. Es ist in diesem Königreich Sitte, sich morgens den Schnurbart, den Bart und die Haare zu rasieren. Die Toten werden auf vier unterschiedliche Arten bestattet: Wasserbestattung, indem sie in die Flüsse geworfen werden; Feuerbestattung, indem man sie zu Asche verbrennt; Erdbestattung, indem man sie in der Erde vergräbt; und durch Vögel, indem man sie im Freien hinlegt (den Vögeln zum Fraß). Die Leute sind habgierig und geizig, ohne Anstand, und Männer und Frauen leben ohne irgendwelche Einschränkungen zusammen.
 
 

Im zehnten und dreizehnten Jahr (von Tianjian, 511 und 514) schickte Sheyebamo Tribute. Er starb in diesem Jahr (514) und sein Sohn aus einem Konkubinat, Liutuobamo (Rudravarman?) tötete seinen jüngeren Bruder, den Sohn der Königin und machte sich selbst zum König. Als er sechzehn Jahre alt war, schickte er den Gesandten Zhudangbaolao mit Tributen. Mit achtzehn Jahren (517) schickte er wieder einen Boten mit einer geweihten Statue aus Sandelholz, Blätter des Poluo Baumes und verschiedene Arten von Dufthölzern einschließlich Huoqizhu, Yujin, und Suhe. Im ersten Jahr von Putong (520), im zweiten Jahr der Regentschaft von Zhongdatong (528) und im ersten Jahr der von Datong (535), wurden Gesandte mit Tributen geschickt. Im fünften Jahr (von Datong, 539) wurde ein Gesandter mit einem lebenden Nashorn geschickt. Es wurde auch gesagt, dass das Königreich ein Haar des Buddha besaß, ein Zhang und zwei Chi lang. Der Kaiser(Liang Wudi) sandte den Mönch Shi Yunbao, der mit dem Gesandten zurückkehren sollte, um das Haar (nach China) mitzubringen.

   
 

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